FR, 02.12.2009
Bürgermeister halten Beschluss zur Aufnahme von Flüchtlingen für nicht notwendig
Main-Taunus-Kreis
Irakische Flüchtlinge unerwünscht
Von Claudia Horkheimer
Die Flüchtlings-Initiative der lokalen Save-me-Kampagne hat einen herben Rückschlag hinnehmen müssen. Wie ihr Koordinator Günter Adam vom katholischen Bezirksamt mitteilte, sind die Bürgermeister des Kreises in einer Versammlung zu dem Schluss gekommen, dass sich die Kommunen nicht für die Aufnahme von Flüchtlingen verantwortlich fühlen. Save-me hatte sich in einem offenen Brief an die Rathaus-Chefs gewandt und wollte sie dazu zu bewegen, sich beim Bund dafür einzusetzen, mehr Flüchtlinge aufzunehmen.
Bürgermeister Norbert Altenkamp (CDU) bestätigt: "Wir haben die Info vom Kreis bekommen, dass die bisherigen Kapazitäten nicht ausgeschöpft sind." Deshalb sehe man es nicht als Aufgabe der Kommunen an, darauf hinzuwirken, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Für die Unterbringung von Flüchtlingen ist der Kreis verantwortlich.
Besonders schutzbedürftig
Im Blick von Save-me, einer bundesweiten Kampagene, die von 55 kirchlichen und unabhängigen Organisationen gestützt wird, sind Flüchtlinge, die seit Jahren in Flüchtlingslagern leben und vom Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen UNHCR für eine Aufnahme in Europa vorgeschlagen wurden. Sie gelten als besonders schutzbedürftig, weil sie in ihrer Heimat aufgrund ihres Glaubens verfolgt oder gefoltert wurden. Laut Save-me leben mehr als zwei Millionen Flüchtlinge in den Erstaufnahmestaaten Jordanien und Syrien. Für die Irak-Flüchtlinge unter ihnen stehen nur 2500 Aufnahmeplätze in Deutschland zur Verfügung, 10000 in der gesamten EU.
Drei irakische Familien christlicher Glaubensangehörigkeit leben seit knapp drei Monaten im Main-Taunus-Kreis. Save-me ist das nicht genug. Sie fordern die Aufnahme von einem Flüchtling pro 1000 Einwohnern. Im Kreis wären das dann etwa 230 Flüchtlinge. "Die Kommunen müssen ihre Bereitschaft gegenüber dem Bund zeigen, dass mehr als 2500 Flüchtlinge aufgenommen werden könnten", sagt Adam. Deshalb wolle man die öffentliche Diskussion anregen. Die in Liederbach untergebrachten Iraker leben sich derweil gut ein, so Adam. Für eine Familie habe die Ökumenische Wohnhilfe jetzt in Diedenbergen eine Wohnung gefunden. Feststellen mussten sie allerdings, dass zur Integration mehr gehört als ein Deutschkurs, den sie an der Volkshochschule besuchen. Auch die hiesigen Verkehrsregeln wollen gelernt sein. Weil sie alle "ganz wild drauf sind, Fahrrad zu fahren," wie Iris Mohrbacher von der Caritas sagt, organisierte man einen Kurs auf dem Verkehrsübungsplatz Eschborn. Dort bringen Nadine Müller-Näpflein und Rüdiger Röth von der Jugendverkehrsschule häufiger ausländischen Kindern ohne Deutschkenntnisse die hiesigen Verkehrsregeln bei. "Nicht immer einfach", sagt Röth. Jedoch sei das Engagement immer groß: "Die achten ganz genau darauf, was wir vormachen und machen es dann nach." Im Liederbacher Flüchtlingsheim leben derzeit rund 60 Personen. Die meisten von ihnen sind Aussiedler aus Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion.

